Streckeninformation
Eine detaillierte Wegbeschreibung finden Sie hier.
Länge: ca. 11 Kilometer
Dauer: ca. 2 Std. 45 Min. 
Profil: mehrere Steigungs- und Gefällstrecken, überwiegend gut befestigte Wege durch Wald und Wiesen.
Anfahrt: Aus Richtung Köln über A4 Richtung Olpe bis Abfahrt Moitzfeld. An der Kreuzung geradeaus bis Ortschaft Spitze, dort an Ampel rechts durch Dürscheid und Biesfeld bis Kürten. Im Ortszentrum nach rechts bis Kürten-Olpe. Dort links abbiegen und bis zur Abzweigung nach Delling. Am Ortseingang von Delling rechts auf den Parkplatz.
Besichtigungen: Die Kirche in Delling ist in der Regel geöffnet, ansonsten kann man den Pfarrer bitten zu öffnen.
Karte: Lindlar im Naturpark Bergisches Land (= Wanderkarte NRW Nr. 4), 1:25000, hg. v. Landesvermessungsamt NRW mit LindlarToursitik und dem Sauerländischen Gebirgsverein, 5. Auflage 2003 
Einkehrmöglichkeit: Restaurant-Café „In der Delling“, Ruhetag dienstags und donnerstags, Tel.:02268 7428.



Texte: Guido Wagner, Kölnische Rundschau/Bergische Landeszeitung/Oberbergische Volkszeitung; diese und weitere Wandertipps finden sich auch in bisher zwei unter dem Titel "Wandertag" herausgegebenen Schobern des Verlages J. P. Bachem, Köln.

Auf der Spur von Henkern und Helden

Abwechslungsreiche Rundwanderung um einstige Geheimgemeinde Delling

Eine kleine Kirche in einem üppig-grünen Tal mit Fachwerkhäusern, Pferden und Wiesen – das Örtchen Delling reizt nicht nur als Ausgangspunkt für Wanderungen, sondern auch zur Spurensuche in der wechselvollen Geschichte der einstigen protestantischen Untergrundgemeinde im hier vorwiegend katholischen Bergischen Land. Unser Wandertipp: Von Delling zum Kloster Ommerborn, einem der katholischen Zentren der Region.

Bevor sich der Wanderer allerdings dorthin aufmacht, lohnt sich eine Runde durch Delling. Nachdem der Lehnsherr des nahen Ortes Olpe 1582 zunächst einen der Reformation zuzurechnenden Pfarrer für die Gemeinde bestellt hatte, wendete sich das Blatt in der Gegenreformation: Um 1622 herum vertrieb man den Pfarrer und verbot evangelische Gottesdienste. Das war die Geburtsstunde der evangelischen Gemeinde Delling, denn im Gutshaus des in holländischen Kriegsdiensten protestantisch gewordenen Junkers von Mosbach, genannt Breidenbach, trafen sich nun knapp 20 Christen, die nicht wieder zum katholischen Glauben zurückkehren wollten. Unter strikter Geheimhaltung feierten sie ihre Gottesdienste.
1672 offiziell anerkannt, durfte die Gemeinde erst 1802 einen eigenen Friedhof anlegen. Das kleine, im Fachwerkstil errichtete Schulhaus von 1723 besteht heute noch oberhalb des Alten Pastorats. Es diente bis zum Bau der klassizistischen Kirche 1834 zugleich als Kirchenraum, Wohnhaus und Schulsaal. Mit der Ankunft hunderter evangelischer Flüchtlinge nach dem Zweiten Weltkrieg, wuchs die evangelische Flächengemeinde Delling so stark, dass von hier aus die heutige Lindlarer Kirchengemeinde gegründet wurde.

Vorbei an Pferdekoppeln und Bachauen geht's durch das obere Tal des Olpebachs Richtung Hembach. Bald sieht der Wanderer von der Höhe aus vor sich das Ommerborner Eucharistinerkloster, das 1921 von Hermann-Josef Ommerborn gegründet wurde. Er war ein Nachfahre des hier auch als „Heldenpastor“ bekannten Johann Peter Ommerborn, der 1795 den Widerstand der bergischen Bauern gegen die französischen Revolutionstruppen organisiert hatte.

Heute wohnen noch zwei Patres im Ommerborner Eucharistinerkloster. Die Sakramentsprozession zu den drei weißen Kreuzen auf der Höhe lockt allerdings immer noch alljährlich am Sonntag nach Fronleichnam Hunderte in den kleinen Ort, von dessen Anhöhe sich weit übers Bergische blicken lässt. Links des Weges nach Kurtenbach sieht man auf einer Anhöhe bei Ommerborn einen „Fußfall“ (Andachtsstätte) neben einem Baum. Hier stand bis ins 18. Jahrhundert der Galgen des Hohen Keppeler Landgerichts zu Lindlar. Noch 1701 wurde hier ein „Missetäter“ namens Peter Funk gehenkt.

Ein mächtiges Burghaus aus Grauwackesteinen empfängt den Wanderer in Oberbreidenbach. Bereits kurz vor Erreichen des Ortes bietet sich links ein reizvoller Fernblick zum Lindlarer „Hausberg“ Brungerst mit seinen Steinbrüchen. Rechts unten ist bereits der wuchtige Bruchsteinbau des Burghauses von Oberbreidenbach zu erkennen. das wohl im 16. Jahrhundert errichtet wurde. Das Gebäude bewohnen heute mehrere Familien. Im 16. Jahrhundert lebte hier Ritter Roland von Mosbach, genannt Breidenbach, dessen Familie uns bereits bei der Gründung von Delling begegnete. 1604 ist Ritter Joest von Oell in der Burg Breidenbach bezeugt, 1769 wurde der Rittersitz an Bauernfamilien verkauft. Auf dem Weg nach Spich kommen wir an der Kapelle „Zur heiligen Familie“ (Johanneskapelle) vorbei, die 1670 nach einer Ruhr- und Pestepidemie errichtet wurde. Hinter Spich öffnet sich das Tal des Ommerbachs mit seinen malerischen Weilern Rölenommer und Kaufmannsommer. Letzterer macht heute mit einem rollenden Backes auf Bauernmärkten von sich Reden. Gemeinsam haben hier ein Landwirt, ein Stahlofenbauer und ein Bäcker eine Backstube auf zwei Traktoranhänger montiert. Am Weg nach Stiche kommt der Wanderer an einer Mariengrotte vorbei, die Anwohner hier errichtet haben. Durch Haasbach geht es zurück ins Tal des Olpebachs, wo sich kurz vor Delling noch einmal ein Blick auf Ort und Kirche bietet – noch heute eine Enklave und ein Kleinod.
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